Die Leiden des jungen Werther

Über Goethe werde ich wohl noch des öfteren schreiben, meinen ersten Beitrag widme ich seinem ersten Roman „Die Leiden des jungen Werther“. Bei Goethe liege ich regelmäßig mit meinen Erwartungen weit daneben. Durch den Faust und die allgemeine hohe Achtung des Dichterfürsten, hatte ich alles erwartet nur keinen Liebesroman. Und genau das ist er. Sicherlich kein 20-Groschen-Roman, wohl aber eine Liebesschnulze. Ich verstehe schon, dass dieser Roman im 18. Jahrhundert für Fuore gesorgt hat, da er die Abenteuer und Heldenliteratur um ein Genre erweitet hat. Auch das massive Aufbäumen gegen die Kirche, indem ein Verständniss für den Freitod geradezu gefordert wird, läßt erkennen warum dieser Roman ein so bedeutender und oft gelesener Roman wurde.

Der Roman ist ein halber Tatsachenbericht und vor allem der erste Teil ist sehr autobiographisch (Der 2. Teil und besonders das Ende freilich nicht) und beschreibt die Liebe Goethes zu Lotte Buff. Das hat ihn für mich sehr menschlich gemacht und differenzierte das erste mal den Menschen Goethe von seinen Werken. In der Schule musste ich „Den Götz von Berlichingen“ sowie „Faus – der Tragödie erster Teil“ lesen und in Klausuren interpretieren. Ich war darin immer sehr schlecht, da mir nicht Bewusst war, dass solche Klausuren nicht in den 2-3 Stunden geschrieben werden, sondern an den Tagen davor, in denen man sich Interpretationen von Profis durchliest. Rückblickend finde ich meine Schulinterpretationen reine Zeitverschwendung, da eine Interpretation nur gelingen kann wenn man sich genau mit der Person und seinem Umfeld auseinandergesetzt hat. Bei Goethe habe ich schon ein gutes Bild seines Charakters, aber einige Punkte sind mir immer noch gänzlich unverständlich. So z.B. diese Selbstverständlichkeit, mit der er nicht dem Proletariat angehört. Seine Charaktere gehen nie einer geregelten Arbeit nach. Sie leben gerne so vor sich hin und kümmern sich um Probleme, die wohl ein normaler Bürger zu dieser Zeit nicht hatte. Man reist mit der Kutsche, bleibt gerne mal ein paar Tage länger bei einer Bekanntschaft, ja man ist überhauptnicht an eine bestimmte Lokalität gebunden. Überall kennt man jemanden, bei dem auch ein längeres Verweilen kein Problem darstellt. All das wirkt immer noch sehr befremdlich auf mich und ich werde wohl noch ein paar mal darauf zurück kommen.

Im Reclam Heftchen ist jedes Leerzeichen, jedes Komma, welches von der Originalausgabe abweicht dokumentiert. Drei Seiten bringt der Verlag dafür auf. Nicht erwähnt wird aber, dass der Titel der Originalausgabe gar nicht „Die Leiden des jungen Werther“ ist, sondern „Die Leiden des jungen Werthers“. Originalausgabe ist aber an dieser Stelle vielleicht das falsche Wort. Goethe hat den Roman nämlich viel später nocheinmal überarbeitet herrausgebracht unter dem Titel ohne zusätzliches „s“. Auf der Wikipedia – Diskussionsseite zu Die leiden des jungen Werthers wird kurz auf das Problem eingegangen. Da auch ich ein Freund des Genetiv S weglassens bin, also gegen die Flexion von Eigennamen bei Nutzung mit Artikel, würde mich schon interresieren, was Herr Duden sagt. Bisher hat er sich aber darüber ausgeschwiegen.

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